Trrrmmer

Ende April war ich noch mal in meiner alten Wohnung. Da wohnte ich schon seit einem Jahr nicht mehr, aber meine Exfreundin noch. Ich hatte noch ein paar übriggebliebene Dinge von mir abgeholt.

Gerade eben kam mir das Bild des leeren, frisch gestrichenen Zimmers wieder in den Sinn. Das ist mein letzter Eindruck von diesem Zimmer. Er überdeckt ein wenig die Erinnerung an das Zimmer, wie es im vollen Zustand war; erst „mein“ Zimmer, dann das Schlafzimmer, nach meinem Auszug ihr Zimmer. Aber immer voll und bewohnt.

Dann fiel mir ein, dass ich das Zimmer schon einmal so leer und frisch gestrichen gesehen habe. Das war natürlich am Tag des Einzugs, bzw. kurz davor. Da sah es schon einmal so aus.

Für das Zimmer, um mal kurz teleologisch zu werden, ist das natürlich ein ganz normaler Zyklus. Alle paar Jahre wird es frisch gestrichen, ist kurz leer und rein, dann wird es wieder befüllt. Das bleibt dann wieder einige Jahre so. Manchmal wechseln die Leute und manchmal die Möbel. Aber es ist ein sich wiederholender Prozess.

Für mich ist die Weißheit des Zimmers kein aber Zyklus, sondern Anfangs- und Endpunkt von etwas. Hätte ich vor anderthalb Wochen ein Foto geschossen, wäre es dasselbe Foto gewesen wie das, was ich vor vier Jahren an genau dieser Stelle vom leeren Zimmer gemacht habe.

Zweimal genau dasselbe Motiv, aber geschossen von einem anderen Menschen. Von derselben Person, ja, mir. Aber die Pläne und Hoffnungen und meine Relation zum Zimmer im Moment des Auslösens; alles ganz anders.

Damals: Freude, Hoffnung. Ein unbeschriebenes Blatt. Ein Zimmer, das seit Wochen schon virtuell eingerichtet wurde; auf Papier und im Kopf. Der Grundriß eine Kopie einer Kopie des Originalplans aus den 20er Jahren, erkennbar an der altertümlichen Handschrift des Architekten oder Zeichners.

Eine neue Wohnsituation, die herbeigesehnt wurde und sich lange Zeit nicht als Fehler herausstellen sollte. Fenster, die lange Zeit einfach irgendwelche Fenster in irgendeinem Haus waren und dann von einem Tag auf dem anderen die ganz persönliche Verbindung und Perspektive auf das Außen wurden.

Viel ist passiert. 2012 ist das Zimmer schon seit einem Jahr nicht mehr mit mir verbunden. Jetzt ist es einfach irgend ein frisch gestrichenes Zimmer in irgendeinem Berliner Mietshaus. An diesem Wochenende zum Monatsende sicher eine Situation, die in dieser Stadt und anderswo dutzendfach vorkommt.

Und Menschen, die in diesen Zimmern stehen. Manche blicken zurück und gehen dann ein letztes Mal. Andere freuen sich, die unbeschriebenen Räume neu zu füllen.

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